Medinet Habu

Totentempel Ramses' III.

Medinet Habu

Typischer Besuch: 1 Std. 15 Min.

Epoche: 1180 v. Chr. · Neues Reich

Eine weitläufige, lebhaft reliefierte Tempelanlage am Westufer von Luxor, im Ausmaß nur Karnak nachstehend.

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Fotos

Medinet Habu — 2
Medinet Habu — 3

Überblick

Der Totentempel Ramses' III. und der besterhaltene große Tempel des thebanischen Westufers — größer, stiller und vollständiger, als die meisten erwarten. An den Decken und im oberen Bereich der Säulen ist Farbe erhalten, und die Umfassungsmauern stehen noch in voller Höhe.

Sie treten durch ein Migdol-Tor ein, einer syrischen Festung nachempfunden, samt Scheinzinnen und Fensteröffnungen — ein eigenartiges, bewusst fremdes Stück Architektur vor einem ägyptischen Tempel.

Worauf zu achten ist

  • Die Seevölker-Reliefs an der nördlichen Außenwand — die detaillierteste aus der Antike erhaltene Darstellung einer Seeschlacht
  • Daneben die Szene des Händezählens, in der Schreiber abgetrennte Hände zusammenrechnen, um die Zahl gefallener Feinde festzuhalten. Genau so grimmig, wie es klingt — und völlig sachlich dargestellt
  • Der erste Hof mit Osiris-Pfeilern und dem Erscheinungsfenster, an dem sich der König zeigte
  • Bemalte Decken in den inneren Hallen, zu den besterhaltenen überhaupt zählend

Geschichte & Hintergrund

Ramses III. regierte im frühen 12. Jahrhundert v. Chr., als die bronzezeitliche Welt auseinanderfiel. Im gesamten östlichen Mittelmeerraum brannten Städte und brachen Staaten zusammen; das Hethiterreich verschwand vollständig. Ägypten wurde von einer Koalition angegriffen, die die Texte Seevölker nennen, und die Reliefs hier halten fest, wie Ramses sie in einer Schlacht in den Nilmündungen schlug — mit Bogenschützen an den Ufern gegen Schiffe, die ins flache Wasser gedrängt wurden.

Ägypten überlebte, aber knapp, und erlangte seine frühere Reichweite nie zurück. Dieser Tempel ist das letzte Monument dieser Größe, das ein ägyptischer König errichtete.

Streik und Mord

Die Regierungszeit endete übel. Dem Staat ging das Getreide aus, und die Grabarbeiter von Deir el-Medina legten im ersten schriftlich belegten Streik der Geschichte die Arbeit nieder — sie zogen zu den Magazinen dieses Tempels, um die ihnen zustehenden Rationen einzufordern.

Ramses III. wurde daraufhin in einer im eigenen Harem organisierten Verschwörung getötet, die einen Nebensohn auf den Thron bringen sollte. Der Gerichtspapyrus von Turin hält den Prozess gegen die Beteiligten fest. Lange war unklar, ob der Anschlag tatsächlich gelungen war — bis eine CT-Untersuchung der Königsmumie 2012 einen tiefen Schnitt quer über die Kehle fand, der Luftröhre und große Gefäße durchtrennte. Er war gelungen.

Eine Stadt in den Mauern

Lange nachdem der Tempelbetrieb endete, wurde der Bezirk ein befestigtes Dorf. Koptische Christen errichteten innerhalb der Mauern eine Siedlung namens Djeme, samt Kirche, und lebten hier über Jahrhunderte. Ihre Häuser wurden im 20. Jahrhundert abgeräumt, doch man sieht bis heute, wo sie in den antiken Stein schnitten.

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