Kultur · 9. Okt. 2026
Geisterstadt bei Hurghada: Umm El Howeitat, die verlassene Bergbaustadt
Eine schottische Phosphatsiedlung für 16.000 Menschen, um 2001 aufgegeben – was noch steht, welche Geschichten stimmen und wie Sie sicher hinkommen

Rund eine Stunde südlich von Hurghada und etwa eine halbe Stunde landeinwärts vom Hafen Safaga steht eine ganze Stadt leer in einem Wüstental. Umm El Howeitat – auch Umm Huwaytat oder Umm al-Huwaytat geschrieben – wurde 1910 für Phosphat-Bergleute gebaut und um die Jahrtausendwende aufgegeben. Die Einheimischen nennen sie die Geisterstadt. Wer „Geisterstadt Hurghada“ oder „Geisterstadt Ägypten“ sucht, meint fast immer diesen Ort. Wir fahren mehrmals im Monat mit Gästen hinaus, und das hier erzählen wir ihnen vorher: was der Ort war, was wirklich noch steht, welche Geschichten Geschichte sind und welche nur Geschichten – und wie man ihn besucht, ohne sich zu verletzen.

Geisterstadt Umm El Howeitat, die verlassene Phosphat-Bergbausiedlung im Hinterland von Safaga
Wo liegt die Geisterstadt Umm El Howeitat?
Die alte Bergbausiedlung liegt in einem Seitental des Wadi Gasus in den Bergen der Ostwüste, etwa 27 Kilometer süd-südwestlich von Safaga, auf rund 200 Metern Höhe. Üblicherweise fährt man über eine Asphaltstraße, die etwa 12 Kilometer südlich von Safaga von der Küstenstraße abzweigt und rund 15 Kilometer ins Landesinnere führt. Daneben gibt es eine Wüstenpiste durch das Wadi Gasus, für die man ein geländegängiges Fahrzeug braucht.
Nicht verwechseln sollten Sie die Geisterstadt mit dem neueren Dorf gleichen Namens. Eine moderne Siedlung namens Umm El Howeitat gibt es separat; die Geisterstadt ist die alte, die von den Bergleuten verlassene.
Warum gab es hier überhaupt eine Stadt?
Wegen des Phosphats. In den Bergen zwischen Safaga und Quseir liegen Phosphatschichten, die sich vor rund 80 Millionen Jahren im Meer der Kreidezeit abgelagert haben – meist zwischen einem halben und anderthalb Metern mächtig. Phosphat ist der Rohstoff für Düngemittel, und Europa brauchte Anfang des 20. Jahrhunderts sehr viel davon.
Geologen des staatlichen Vermessungsamts kartierten die Vorkommen in den ersten Jahren des Jahrhunderts und veröffentlichten sie 1905. Was folgte, war Industrie an einem Ort ohne Wasser, ohne Schatten und ohne Stadt.
Eine schottische Firma, eine Eisenbahn und 16.000 Menschen
Gebaut wurde Umm El Howeitat weder von Ägyptern noch von Italienern, sondern von der Egyptian Phosphate Co. Ltd., gegründet 1910 in Glasgow. Ihre Geschäftsunterlagen liegen bis heute im Archiv der Universität Glasgow. Die Firma legte eine rund 28 Kilometer lange Schmalspurbahn bis zur Küste, und ab 1911 wurde Phosphat von Safaga nach Großbritannien verschifft.
Manchmal liest man, Italiener hätten diese Minen betrieben. Es gab tatsächlich eine italienische Phosphatgesellschaft an dieser Küste, gegründet 1912 – sie arbeitete aber in den Lagerstätten um Quseir weiter im Süden. Safaga und Umm El Howeitat waren das Revier der britischen Firma.
In ihrer Blütezeit soll die Siedlung rund 16.000 Menschen beherbergt haben. Quellen beschreiben Schulen, ein kleines Krankenhaus, Läden, Moscheen und ein Wassernetz. Die Arbeiter wohnten in einfachen, eingeschossigen Häusern aus Stein und Lehmziegeln; die Ingenieurshäuser waren solider gebaut. Ehemalige Bewohner, die von der ägyptischen Presse befragt wurden, erinnern sich an einen Ort, an dem man die Türen offen ließ und mit den Nachbarn gemeinsam aß.
Von der britischen Mine zum ägyptischen Staatsbetrieb
Nach der Revolution von 1952 wurden die Minen 1956 verstaatlicht und von der ägyptischen Safaga Phosphate Company betrieben, später umstrukturiert zur Red Sea Phosphate Company. Auch der Abnehmer änderte sich. Seit der Assuan-Hochdamm die jährliche Nilflut und den fruchtbaren Schlamm stoppte, ist die ägyptische Landwirtschaft auf Kunstdünger angewiesen – ein großer Teil des Phosphats blieb im Land.
Warum wurde Umm El Howeitat verlassen?
Zwei Dinge beendeten die Stadt. Das erste war Wasser: 1996 riss eine schwere Sturzflut nach einem Unwetter durch das Tal und beschädigte die Siedlung stark. Das zweite war die Wirtschaftlichkeit: Die leicht abbaubaren Flöze gingen zur Neige. Um 2000/2001 wurde die Förderung ganz eingestellt, und die verbliebenen Familien wurden umgesiedelt.
Danach holten Schrotthändler aus den leeren Häusern alles, was sich tragen ließ – Türen, Fensterrahmen, Metall. Deshalb wirkt die Stadt älter, als sie ist: In den meisten dieser Häuser wurde noch vor einer Generation gewohnt.

Geisterstadt Umm El Howeitat in den Bergen der Ostwüste
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